Stadt Schmallenberg
Schmallenberg, neben Winterberg Hauptort des Fremdenverkehrs im Hochsauerland, ist eute ein Mittelzentrum mit rund 27.000 Einwohnern auf einer Fläche von 303 km2. Seit der kommunalen Neuordnung im Jahre 1975 bilden die zwei ursprünglich selbständige Kleinstädte Schmallenberg und Bad Fredeburg, die zuvor gleichzeitig Sitze von Amtsbezirken waren, zusammen mit 82 Dörfern und Ortslagen sowie weiträumigen Waldgebieten und landschaftlichen Fluren, flächenmäßig die zweitgrößte Stadt Nordrhein-Westfalens.
Die heutige Kernstadt Schmallenberg ist historisch ein Burgort aus dem 12. Jahrhundert (ursprünglich „Smalenborg“) unter der Herrschaft des Kölner Kurfürsten, Stadt seit 1244, in einer ersten Blütezeit bis 1350, zeitweilig auch mit eigenem Münzrecht („Schmallenberger Pfennig“). Nach Jahrhunderten des Niedergangs mit Fehden, Seuchen, einem allgemeinen Bevölkerungsrückgang und wirtschaftlicher Rezession im 17. Jahrhundert. die Zahl der Häuser erst um 1800 wieder auf dem Stand der mittelalterlichen Blütezeit.
Eine Brandkatastrophe, die schlimmste nach drei vorhergehenden Stadtbränden, zerstörte 1822 neun Zehntel aller Gebäude. Auf dem Reißbrett – wohl unter dem Einfluss des preußischen Städteplaners und Baumeisters Karl Friedrich Schinkel – völlig neu entworfen, entstand bis 1825 eine Stadt mit klassizistischem Grundriss (breite Straßen im „Leitersystem“ rechtwinklig angeordnet). Dieser klassizistische Plan, zusammen mit der Traufstellung der zweigeschossigen Schiefer- und Fachwerkhäuser, ist noch heute charakteristisch für das Straßenbild im historischen Stadtkern Schmallenbergs.
Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Einführung der Textilindustrie. Diese blieb bis heute – trotz mehrfacher Krisen – das wichtigste Standbein der Schmallenberger Wirtschaft. Holzgewinnung und -verarbeitung sowie Tourismus und Handel tragen neben zahlreichen mittelständischen Betrieben inzwischen dazu bei, dass die Stadt Schmallenberg eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in NRW aufweist.
Bad Fredeburg, der zweite Kernort der neuen „Groß“-Stadt, hat seinen Namen einer im 14. Jahrhundert errichteten Burg zu verdanken, die unter anderem im Besitz der Grafen von Arnsberg stand. Im Verlauf der „Soester Fehde“ kam Fredeburg in den Besitz des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln und erhielt von diesem 1445 die Stadtrechte. Es war bis ins 19. Jahrhundert wichtiger Gerichts- und Verwaltungsort im Hochsauerland und als solcher immer wieder Opfer von kriegerischen Brandschatzungen, drückenden Besatzungen und Abgabeverpflichtungen.
Die vorübergehende Zugehörigkeit zur Herrschaft des Großherzogtums Hessen-Darmstadt zwang die kriegstauglichen Fredeburger unter die Fahne Napoleons. Beim Kriegszug gegen Moskau und in den Freiheitskriegen standen die Fredeburger Soldaten – aus nationaler Perspektive betrachtet – „auf der falschen Seite“. Die Landeszugehörigkeit zu Preußen (seit 1816) brachte dann ruhige Phasen der Entwicklung für die Bergstadt.
Wirtschaftlich bestimmte lange Zeit der Schieferbergbau die Geschicke Fredeburgs. Einer der letzten deutschen Untertagebetriebe ist immer noch in den Fredeburger Bergen aktiv. Hinzugekommen sind Tourismus und Gesundheitswesen. Der Status als Kneipp-Heilbad sowie zahlreiche Klinik- und Kureinrichtungen führen heute viele Erholungssuchende nach Bad Fredeburg.
Wald, Berge, eine vielfach noch intakte Stadt- und Dorfstruktur im gesamten Schmallenberger Sauerland (Schmallenberg hat die größte Dichte an Bundes- und Landessiegern im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“) sowie neue touristische Attraktionen, wie „Rothaarsteig“, „Hochsauerland Höhenstraße“ oder „Waldskulpturenweg“ - die allesamt durch Schmallenberg verlaufen - locken zu allen Jahreszeiten zahlreiche Gäste in das Hochsauerland.
Das kulturelle Leben der Stadt wird neben einer außergewöhnlichen Zahl an Musik- und Theatervereinen von mehr als einem halben Dutzend Museen im Stadtgebiet abgerundet. Die Christine-Koch-Gesellschaft veröffentlicht im Rahmen ihrer literarischen Arbeit regelmäßig Neuerscheinungen heimischer Autoren. Kunstverein und kulturelle Vereinigung organisieren darüber hinaus Autorenlesungen, Theater- und Musikgastspiele sowie Kunstausstellungen. Hervorzuheben sind zudem die alljährlichen „Wormbacher Sommerkonzerte“, eine kirchenmusikalische Veranstaltungsreihe mit langer Tradition.
